Ärztekammer Brandenburg: „Gefährlich“

Internetportal macht’s möglich: Krankenschein per Mausklick

So geht es mit dem Krankenschein per App FOTO: www.au-schein.de

Cottbus. Es klingt verlockend – ein paar Mausklicks, und der Krankenschein komm per Whatsapp aufs Handy. Keine lästige Suche nach einem Arzt, kein langes Sitzen im überfüllten Wartezimmer. Der in Hamburg ansässige Online-Dienst au-schein macht es möglich.

Es ist ein bisschen so, als ob man im Internet etwas bestellt oder eine Kfz-Versicherung abschließt: Nur dieses Mal geht es um die Gesundheit. Möglich macht es die Seite au-schein.de. Man klickt sich durch Fragen auf einem Formular. Wie hoch ist das Fieber? Verstopfte oder laufende Nase, Schüttelfrost, Husten, Heiserkeit? Wie lange fühlt man sich arbeitsunfähig? Wenige Mausklicks später ist der virtuelle Arztbesuch erledigt. Wer werktags vor zehn Uhr bestellt, hat die Bescheinigung für die Arbeitsunfähigkeit (AU) bis 14 Uhr als PDF-Datei auf dem Handy. Neun Euro kostet’s , Privatpartienten zahlen etwas mehr. Unterschrieben ist der Befund von einem Privatarzt aus Lübeck.

Ob das mit dem Online-Portal so seine Richtigkeit hat, will die Sächsische Landesärztekammer nicht bewerten. Man überprüfe keine Geschäftsmodelle auf ihre rechtliche Zulässigkeit. Aber für eine gute Idee hält die Kammer es nicht. Der Arzt unterliege einer besonderen Sorgfaltspflicht. Die sei unter Umständen bei dieser Form einer AU nicht gegeben. „Behandelnde Ärzte müssten also zunächst der Überzeugung sein, dass eine Diagnosestellung allein durch per App übermittelte Angaben anhand einer Auswahlliste von Symptomen ärztlich vertretbar ist und dazu bei einer Erkältung keine weiteren Untersuchungen oder Rückfragen erforderlich sind“, erklärt Sprecher Knut Köhler.

Die Brandenburger Kollegen sehen das ähnlich kritisch: Bei Vertragsärzten (gesetzlich Versicherte) seien solche Fern- und Selbstdiagnosen rechtlich unzulässig und brauchen vom Arbeitgeber nicht anerkannt zu werden. „Solche Zurückweisungen von Arbeitgebern sind uns auch schon bekannt geworden“, berichtet Simone Groß, die Büroleiterin des Kammer-Präsidenten. Und im privatärztlichen Bereich – so wie im geschilderten Fall – könne der Krankenschein unwirksam sein und der Arzt berufsrechtlich belangt werden.

Zudem weisen beide Kammern auf eine „Nebenwirkung“ dieses medizinischen Geschäftsmodells hin: Eine Selbstdiagnose birgt langfristig immer die Gefahr, dass ernsthafte Krankheiten übersehen werden und es zu Spätfolgen kommt.

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