Produkt-Boykott

Boykott gegen Hirsemühle

Cottbus. Die „Spreewälder Hirsemühle“ bietet Korn, Schrot, Flocken und Mehl aus Hirse in Bio-Qualität an – doch wegen eines Boykotts gibt es diese Produkte seit einigen Wochen in verschiedenen Bio-Märkten nicht mehr zu kaufen.

  Die Leipziger Biokette Biomare hatte die Getreide der Mühle  ausgelistet mit der Begründung: „Der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle ist AfD-Funktionär, diese Partei leugnet den menschengemachten Klimawandel. Damit stellt sich der maßgebliche Entscheider der Spreewälder Hirsemühle gegen die Werte der gesamten Biobranche.“ Das sieht man auch bei Alnatura so. Der Ökolandbau sei eine Möglichkeit, dem Klimawandel zu begegnen. Alnatura wolle nur mit Partnern zusammenarbeiten, die auf der Erkenntnis dieser wissenschaftlichen Grundlage diesen Weg konsequent mit dem Unternehmen gehen wolle. Nun nimmt auch der Biomarkt „Ährenkranz“ in Cottbus die Produkte der Lausitzer Hirsemühle in Krieschow aus seinen Regalen. Biomarkt-Chef Alexander Schömmel erklärte gegenüber der Rundschau: „Nachhaltigkeit muss man leben. Sie darf kein Werbe-Gag sein, um Verkaufszahlen zu erhöhen.“

Der Müller Jan Plessow ist Beisitzer im Vorstand der AfD in Spree-Neiße. Gegenüber rbb24 sagte er: „Die Begründung ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Er könne nicht verstehen, dass ein Produkt aus politischen Gründen aus dem Verkehr gezogen wird.

Betroffen von dem Boykott sind auch etwa 15 Bio-Bauern in der Region, die bisher die Mühle mit Hirse beliefert haben. Landwirt Heiner-Lütke-Schwienhorst aus Ogrosen erklärt, dass genau das eingetreten ist, was er befürchtet hat. Er habe im Vorfeld Jan Plessow eindringlich gewarnt. „Ich glaube nicht, dass irgendeiner von seinen AfD-Freunden Hirse isst. Und von den Hirse-Konsumenten wird vermutlich niemand AfD wählen“, gibt Heiner-Lütke-Schwienhorst zu bedenken. Auf die Ankündigung des Leipziger Supermarktes Biomare habe Jan Plessow sehr emotional und mit vielen Unterstellungen und Anfeindungen reagiert. Lütke-Schwienhorst lobt die unternehmerische Leistung des Hirse-Müllers, mit dem er 15 Jahre lang sehr gut zusammengearbeitet hat. Er bedauert, dass Plessow die wirtschaftliche Existenz für seine nicht nachvollziehbaren politischen Forderungen opfert. Dabei habe sich Jan Plessow vor zehn Jahren noch ganz anders politisch engagiert. Damals habe er die Grüne Liga unterstützt, den Stopp des Braunkohleabbaus gefordert. Den Sinneswandel kann Heiner-Lütke-Schwienhorst nicht nachvollziehen. Gleichzeitig ärgert ihn, dass er in keiner Weise an seine Geschäftspartner gedacht hat. „Wir werden nach einer neuen Lösung suchen und eine andere Mühle finden, die unsere Hirse schält“, ist sich der Bio-Landwirt sicher. In diesem Jahr sei die Ernte der Hirse ohnehin eine Katastrophe gewesen, die schlechteste Ernte seit 15 Jahren.

Alexander Schömmel, Inhaber des Biomarktes „Ährenkranz“. FOTO: LR / Elsner
(pk, abr)
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