Seltenes Handwerk

Ein Leben zwischen Fellen

Die Leidenschaft für Pelze hat Familientradition. Constanze Feind wird in der Kürschner-Werkstatt von ihrem Vater Diethard unterstützt. FOTO: LR / Angelika Brinkop

Cottbus. Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen des Handwerks. Die Handwerkskammer Cottbus feierte am Freitag den Tag des Meisters, bundesweit findet am Samstag der Tag des Handwerks mit verschiedenen Aktionen statt.

Die Vielfalt des Handwerks ist riesengroß. Doch einige Berufe sind mittlerweile sehr selten geworden. Constanze Feind ist beispielsweise die einzige Kürschnermeisterin in der Lausitz.

Constanze Feind stammt aus einer Kürschnerfamilie und führt das Geschäft in der dritten Generation. 1931 haben ihre Großeltern ein Pelzgeschäft in Cottbus in der Nähe des Weltspiegels eröffnet. Um Werkstatt und Geschäft zusammenzuführen, sind sie in die Neustädter Straße 7 gezogen. Seit 80 Jahren befindet sich das Wohn- und Geschäftshaus in Familienbesitz.

Für Constanze Feind war schon immer klar, dass sie die Berufstradition fortsetzt. „Ich bin in der Werkstatt und im Geschäft groß geworden“, erzählt die 55-Jährige schmunzelnd. Ihr Vater Diethard Feind hat die Werkstatt geführt, Mutter Ilona das Geschäft am Laufen gehalten. „Da gab es nie eine Frage bezüglich der Berufswahl. Das Leben zwischen Fellen hat mich geprägt. Ich konnte mir nie etwas anderes vorstellen“, sagt sie. Auch ihr Vater kann von dem Handwerk nicht loslassen und ist seiner Tochter noch immer eine große Hilfe in der Werkstatt. In diesem Jahr feierte er sein 60. Meisterjubiläum.

Auf die Frage, ob sie den Schritt je bereut hat, schüttelt Constanze Feind energisch den Kopf. Sie liebt das Handwerk, schätzt das Material und die Kreativität bei der Herstellung der Pelzprodukte. Hier kann sie viele Ideen umsetzen. „Pelz ist ein Naturprodukt und ein nachwachsender Rohstoff. Außerdem sind Pelze sehr langlebig und können immer wieder umgearbeitet werden“, sagt die Kürschnerin. Das Recyclen nimmt einen breiten Raum ihrer Arbeit ein. Aus ehemaligen Pelzmänteln entstehen oft Jacken, Westen, Mützen, Kissen oder auch Decken. Bei der Umgestaltung kommt auch oft ein Materialmix zum Einsatz. So kombiniert die Kürschnermeisterin gern Pelze mit Walkstoffen oder Wolle. Sie verwendet Felle aus kontrollierten Züchtungen oder welche, die ihr von Jägern aus der Region gebracht werden. Verarbeitet werden unter anderem die Felle von Waschbären, Marderhunden, Rotfüchsen, Lamm, Schaf und Kaninchen. Bevor die Pelze bei Constanze Feind landen, müssen sie zum Gerber – ein Berufsstand, der ebenfalls stark rückläufig ist.

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